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Situation des Sports in der Nordstadt
Ausgangssituation per 10. August 2006
Nachtrag per 19. März 2009
Tabellarische Übersicht
Augenblickliche Situation
Ausgangssituation:
Die Nordstadt mit ca. 40.000 Einwohnern umfasst die Stadtteile
- Furth – Süd (22.6 % Anteil an den Einwohnern der Nordstadt),
- Furth – Mitte (19,2 %),
- Furth – Nord (10,5 %),
- Weißenberg (18,7 %),
- Vogelsang (18,4 %),
- Barbaraviertel (9,1 %) und
- Morgensternsheide (1,4 %).
Wenngleich die Nordstadt nicht über ein klassisches Zentrum verfügt, spielt die Wohnortnähe zu den Sportstätten für sportliche Aktivitäten eine große Rolle. Die Stadtteile Furth – Süd und das Barbaraviertel sind dabei mehr zum Stadtzentrum hin orientiert, während die anderen Regionen sich auf die Nordstadt selbst konzentrieren.
Die Sportstudie „Zur Situation des Sports in Neuss – Projektbericht“ (in Zukunft „Projektbericht“ genannt) nennt für die Sozialstruktur das durchschnittliche Jahreseinkommen und kommt bei der Untersuchung der o.g. Stadtteile zu dem Ergebnis, dass bis auf die Morgensternsheide das Durchschnitts-Jahreseinkommen überall unter 30.000 EURO liegt. Für diese Bevölkerungsgruppe sind die sportlichen Aktivitäten um 11 % kleiner als bei denen mit einem Jahreseinkommen über diesen Satz.
In Neuss wurden nach dem Projektbericht 61,1 % der Einwohner als Sportaktive ermittelt, in der Nordstadt dagegen nur 55,3 %. Dabei ist „sportaktiv“ nicht gleichzusetzen mit Vereinszugehörigkeit, da z.B. auch Joggen als Sportaktivität gezählt wird. Als Mitglied eines Vereins werden 24,5 % der Neusser ermittelt, in der Nordstadt sind es nur 19,3 %. Insgesamt kommt der Projektbericht zu dem Schluss, dass normales Sportinteresse vorhanden ist und bei hinreichenden Angeboten würden mehr Menschen den Vereinen beitreten. Wichtige Gründe für sportliche Inaktivität sind – neben beruflichen, familiären und altersbedingten Problemen – das fehlende Angebot in Wohnortnähe oder keine passenden bzw. schlechte Angebote in Wohnortnähe (Projektbericht S. 36).
„Sehr viele Neusser Sportvereine weisen einen ausgesprochen starken Stadtteilbezug auf. In diesen Fall sind die Entwicklungschancen eng mit der Zahl und Struktur der Einwohner des jeweiligen Stadtteils verknüpft“ (S. 64). „Vereine müssen deshalb darauf hingewiesen werden, dass ihre Zukunftsfähigkeit u.a. davon abhängt, die Wahrnehmungsfähigkeit und –bereitschaft gegenüber Veränderungen in ihrem Umfeld zu steigern und angemessen darauf zu reagieren“ (S. 123).
Gerade für Mitglieder der unteren Einkommensgruppen sind – bei Interesse an Mannschafts- und Wettkampfsportarten – Vereine unabdingbar, da kommerzielle Anbieter nicht finanzierbar sind. „Die Art, der Umfang und die Qualität des Sport-angebots eines Vereins ist unabdingbar an die Verfügung über eine entsprechende Sport-Infrastruktur geknüpft“ (S. 104).
Wenn also die Sportsituation und die Zugehörigkeit zu Vereinen in der Nordstadt näher untersucht werden sollen, ist das Angebot an Sportstätten das wesentliche Kriterium. Beispielhaft sollen hier Aussagen zu dem Angebot an Fußball- und Sportfreiflächen in der Nordstadt untersucht werden:
Neben dem Nordparkbad mit der begrenzt verfügbaren Freifläche gibt es in der Nordstadt nur den Hubert – Schäfer – Sportpark. Diese Bezirkssportanlage (BSA) mit ihrem Sportheim wurde vor 50 Jahren errichtet, ohne dass wesentliche und nennenswerte nennenswerte Restaurierungsarbeiten vorgenommen wurden. Sie verfügt über zwei Rasenplätze, einen Tennenplatz und 1 Kleinspielfeld. Außerdem befinden sich dort eine Leichtathletikanlage und 6 Tennisplätze mit insgesamt 37.930 qm Sportflächen. Obwohl in der Untersuchung des Amtes für Wirtschaftsförderung und Stadtforschung in der Reihe „Die Neusser Stadtteile“ 1991 über die „Nordstadt“ der Hubert-Schäfer-Sportpark als einzige BSA in der Nordstadt aufgeführt wird, soll hier die BSA Stadt-wald mit jeweils einem Rasen- und Tennenplatz, einer Leichtathletikanlage und 7 Tennisplätzen (insgesamt 30.480 qm) der Nordstadt zugeordnet werden.
Nach einer vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft entwickelten Richtwertmetho-de sollten in Städten mit 150.000 Einwohnern eine Sportfreifläche von 2,85 qm je Einwohner (Soll-Wert) vorgehalten werden. In Neuss ergibt sich ein Ist-Wert von 3,63 qm / Einwohner. Das bedeutet, dass Neuss über dem Soll-Wert liegt und mit Sportfreiflächen hervorragend ausgestattet ist.
Aus diesen Richt- und Tatsachenwerten ergibt sich für die Nordstadt, dass dieser Stadtteil im Idealfall über 114.000 qm Sportfreifläche verfügen sollte (40.000 × 2,85), wenn man den Neusser Faktor berücksichtigt sogar 145.200 qm; es verfügt aber nur über 68.410 qm, wenn man den Hubert – Schäfer – Sportpark und die BSA Stadtwald gemeinsam einrechnet. Damit ergibt sich nach der Richtwertmethode für die Nordstadt ein Ist-Wert von 1,71 qm / Einwohner. Bereits 1991 hat die Stadtverwaltung festgestellt: „Offensichtlich und bekannt ist … die defizitäre Sportstättenversorgung im Nordstadtbereich“ („Neusser Sportstudie“ S. 44). Auch in der Stadtteilschrift „Nordstadt“ wird festgestellt, dass die Nordstadt „offensichtlich (eine) defizitäre Versorgung mit Sportstätten“ aufweist (S. 258).
Da einerseits die Sportstätten die materiale und infrastrukturelle Basis des Sporttreibens darstellt, andererseits der Richtwert als Ist-Wert für die Nordstadt weit unter der Norm liegt, muss man feststellen, dass in der Nordstadt eine große Lücke zwischen der Struktur des vorhandenen Sportangebots und dem möglichen faktischen Sportverhalten und den Bewegungsinteressen der Bevölkerung klafft.
Das heißt mit anderen Worten: Wenn das Angebot an Sportstätten in der Nordstadt größer wäre, würde sich auch die Anzahl der Sporttreibenden erhöhen. Bereits 1987 hat das Sport- und Bäderamt den Vereinsorganisationsgrad für Neuss mit 20,89 % angegeben, für die Nordstadt aber nur einen Organisationsgrad von 6,86 % errechnet.
Ein wesentlicher Aspekt ist auch der Zustand dieser Sportanlagen:
Der „Projektbericht“ erstellt Bewertungen analog den Schulnoten: Für den Hubert – Schäfer – Sportpark werden sowohl die Rasenplätze (S. 199) als auch der Tennenplatz (S. 200) mit „mangelhaft“ bewertet; da die Leichtathletikanlagen dort von insgesamt 11 Schulen (keine BSA beherbergt mehr Schulen, die nächste ist die BSA Jahnstraße mit 8 Schulen) erhält auch diese die Note „mangelhaft“. Die BSA Stadtwald erhält dagegen durchweg befriedigende Noten. Zu berücksichtigen ist aber, dass die Rasenplätze für den Trainingsbetrieb nicht kalkulierbar sind, da sie bei großer Hitze und bei regnerischem Wetter nicht genutzt werden können.
Die beiden Bezirkssportanlagen werden von folgenden Nordstadtvereinen genutzt: Der Hubert – Schäfer – Sportpark ausschließlich von der SVG Neuss-Weißenberg, die BSA Stadtwald von dem PSV Nordstadt und der SVG Neuss-Weißenberg. Den Auslastungsgrad kann man der beigefügten Statistik entnehmen.
Aus der Analyse ergibt sich folgende Erwartung (im Sinne des Sports auch Forderung):
Da es – wie oben berichtet – nach der Richtwertmethode und der im Projektbericht aufgelisteten Auslastungsquoten in Neuss ein Überangebot an Sportstätten gibt, ist es nicht zu verantworten, eine weitere Freisportanlage für die Nordstadt zu fordern. Stattdessen müssen die in der Nordstadt vorhandenen Anlagen grundständig in einen nutzungsfähigen Zustand versetzt werden. Es muss also das gesamte Augenmerk darauf gerichtet sein, dass insbesondere der Hubert – Schäfer – Sportpark so hergerichtet wird, dass die sportliche Nutzung nicht durch den schlechten Zustand eingeschränkt wird*.
Konkret ergibt sich die Forderung, dass mindestens ein Rasenplatz mit Kunstrasen ausgestattet wird, damit ganzjährig und unabhängig vom Wetter Sport ausgeübt werden kann.
Neuss, den 10. August 2006
Dr. Hans-Josef Holtappels
Nachtrag:
Der auch in der Öffentlichkeit beachtete Bericht hatte folgendes Ergebnis :
- Es wurde sofort ein Trainingsfeld mit Toren, Ballschutzwänden und Markierungen in der halben Spielfeldgröße errichtet
- Verwaltung und Politik haben inzwischen zugesagt:
- Der Kunstrasenplatz wird bis zum Jubiläumsjahr fertig gestellt
- Zusätzlich wird ein separater Anbau mit 3 Dusch- und Umkleidekabinen errichtet.
Neuss, den 19. März 2009
Dr. Hans-Josef Holtappels
Tabellarische Darstellung:
Bezirkssportanlagen in der Nordstadt
(es wird die BSA Stadtwald eingerechnet,
obwohl nicht unmittelbar in der Nordstadt gelegen)
| Hubert |
BSA |
| Schäfer |
Stadt- |
| Sportpark |
wald |
| Rasenplätze |
: |
2 |
: |
1 |
| Tennenplätze |
: |
1 |
: |
1 |
| Kleinspielfeld |
: |
1 |
: |
0 |
| Leichtathletikanlage |
: |
ja |
: |
ja |
| Tennisplätze |
: |
6 |
: |
7 |
| Größe der Sportflächen |
: |
37.930qm |
: |
30.480qm |
| Zustand der Sportflächen |
: |
mangelhaft |
: |
befriedigend |
| Ausnutzung |
: |
: |
| Punktspiele |
: |
245 |
: |
136 |
| Turniere |
: |
16 |
: |
14 |
| Auslastung |
: |
: |
| durchschnittlich |
: |
67% |
: |
66% |
| maximal |
: |
116% |
: |
94% |
| theoretisch |
: |
137% |
: |
63-90%* |
| Gesamtgrad |
: |
sehr gut |
: |
gut |
| Nutzer |
: |
: |
| Fußball |
: |
SVG-Weißenberg |
: |
PSV Nordtstadt |
| : |
: |
SVG-Weißenberg |
| Leichtathletik |
: |
nein |
: |
ESV Neuss |
| Schulen |
: |
11 |
: |
2 |
Augenblickliche Situation:
*Augenblickliche Situation:
Für den normalen Spielbetrieb sind von der SVG Neuss-Weißenberg insgesamt 24 Mannschaften gemeldet, für den PSV Nordstadt insgesamt 11 Mannschaften. Die BSA stehen für den Trainingsbetrieb im Sommer von 17 Uhr bis 21,30 Uhr und im Winter von 17 Uhr bis 20,30 Uhr zur Verfügung. In diesen Zeiten müssen insgesamt 35 Mannschaften auf zwei Tennenplätzen trainieren. |